Traditionell fand sich die Schulgemeinschaft zu Beginn dieses Festtages zum Gottesdienst zusammen. „Siehe, ich mache alles neu!“ lautete das Motto, unter das die Absolventinnen ihren letzten gemeinsamen Gottesdienst gestellt hatten. Sie hatten ihn gemeinsam mit ihren Religionslehrerinnen Katharina Hagelauer-Walder, Mareike Jansen und Anna-Michelle Sutter vorbereitet. „Tatsächlich alles neu?“, fragte Schulleiter Christian Sieber in seiner Abschiedsrede. „Nie wieder lernen, nie wieder früh aufstehen, keine Klassenarbeiten mehr?“ Sicher nicht. Und doch war den Abgängerinnen sehr bewusst, dass sich viel Vertrautes in ihrem Leben mit diesem Tag gründlich verändern wird. Dies kam in den Abschlussreden der Klassensprecherinnen sehr deutlich zum Ausdruck. Die gemeinsame Zeit, das gemeinsame Lernen, die geteilten kleinen und großen Geheimnisse, Freundschaften, die teils seit Kindergartenzeiten bestehen – all das wird mit der Neuausrichtung des eigenen Lebensweges anders. Und wo für die eine heiß ersehnt die große Freiheit wartet, lauert für die andere Ungewissheit und Zweifel: „Schaffe ich das? Bin ich gut genug? Wo ist nun mein Platz im Leben?“ Diese großen Fragen kamen in der Feier immer wieder zur Sprache und sorgten bei den Rednerinnen wie auch ihren Klassenkameradinnen für große Gefühle.
Das Erreichen des schulischen (Zwischen-)Ziels ist das eine. Daneben wurden auch zahlreiche Schülerinnen für hervorragende Leistungen sowie besonderen Einsatz geehrt. Mit dem Franziskus-Preis wurde mit Helene Ziehmer eine Schülerin ausgezeichnet, die seit Jahren engagiert bei der Freiwilligen Feuerwehr ist und im St.-Franziskus als versierte Sanitäterin bekannt wie ein bunter Hund. Auch wenn es ihr selbst nicht gut ging, war sie stets zum Einsatz für ihre Mitschülerinnen bereit und hinterlässt nun große Fußstapfen in der Sanitäts-AG, die Claudia Herzog mit großem persönlichen Einsatz leitet. Eine Leistung ganz anderer Art wurde mit dem Preis der Ministerin geehrt. „Wenn man kurz vor seinem 13. Geburtstag aus seinem Heimatland fliehen muss, weil ein verheerender Krieg ausgebrochen ist, und man es dann innerhalb von vier Jahren schafft, in einem fremden Land, in einer fremden Sprache einen guten Realschulabschluss zu erreichen, dann hat man eine außergewöhnliche Leistung erbracht, die sich nicht mit Noten messen lässt“, erklärte Christian Sieber. Vladyslava Ishchenko hat genau dies vollbracht. In die Freude über die Ehrung mischte sich deutlich sichtbar die Trauer um die verlorene Heimat. Hier wurde große Politik und ihre Folgen plötzlich zum Greifen nah.
Für den besten Abschluss mit einem Notendurchschnitt von 1,29 wurden Anuuk Fleygnac und Lana Jasin geehrt. Hervorragende Leistungen im Bereich Gesellschaftswissenschaften zeigte Annabell Maué, den Preis im Fach evangelische Religion erhielt Mia-Sophie Schneider und im Fachbereich MINT wurde Anuuk Fleygnac ausgezeichnet. Für ihr außergewöhnliches Engagement in Schule und Gesellschaft erhielt Aaliyah Schulz den Preis des Schulelternbeirates.
Egal ob preisgekrönt oder einfach „nur“ geschafft: Beim Abschlusslied „Slipping through my fingers“ brachen sich Freude und Erleichterung Bahn. Jetzt geht es los – alles neu!
Text und Photos: S. Seither